Finanzmärkte

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Transcript Finanzmärkte

Veranstaltung des Controllervereins Arbeitskreis Berlin
& des Berliner Instituts für Bankunternehmensführung
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin HTW
22. November 2011
Entwicklungen und Aspekte
der Finanzmärkte in der Gegenwart
"Wenn du den Wert des Geldes kennenlernen willst, versuche, dir welches zu leihen.„
(Benjamin Franklin)
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zur Person:
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Gert Prager, Diplom-Ökonom, zuletzt Bereichsleiter Finanzen & Controlling der Berliner Bank
Mehr als 35 Jahre im Beruf, ca. 15 Jahre im Konzern Bankgesellschaft / Landesbank Berlin , sowohl in der Holding der
Muttergesellschaft als auch verschiedenen Tochtergesellschaften wie Berliner Bank, Bank GiroTel und IBAG
Nach Veräußerung der Berliner Bank 2006 an die Deutsche Bank 6 Jahre im Konzern Deutsche Bank
immer im Rechnungswesen und Controlling tätig, dabei „alles gemacht“ von der Kostenrechnung bis zur Gesamtbanksteuerung,
von der Buchhaltung bis zum Jahresabschluss, Meldewesen, Risikomanagement, Vertriebscontrolling sowie Immobilien Workout
Seit Frühjahr 2011 als leitender Angestellter im Vorruhestand der Deutschen Bank
zum Vortrag:
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Thema ist sehr komplex und ebenso vielschichtig wie schwierig
Durch aktuelle Diskussionen häufig (z.B. in Talkshows) sehr polemisch und vereinfachend dargestellt
deshalb Versuch ohne jede eigene Wertung nur Basiswissen und Fakten sowie aktuelle Aspekte und Entwicklungen an den
Märkten aufzuzeigen
Definitionen etc. basieren primär auf Wikipedia, damit leicht nachvollziehbar
Um ein möglichst breites Spektrum von Informationen und Meinungen in der ja immer noch vollkommen offenen Entwicklung
aufzuzeigen, basieren sämtliche Angaben auf diversen Beiträgen in den Wirtschafts- und Finanzteilen von u.a. Welt, Zeit,
Süddeutscher, Handelsblatt, Financial Times etc. der letzten Monate
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 (Quelle Wikipedia)
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 (Quelle Wikipedia)
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Hauptsegmente sind Primärmarkt und den Sekundärmarkt.
Der Primärmarkt beschäftigt sich mit dem Angebot von neu herausgebrachten
Wertpapieren, die von Investoren nachgefragt werden sollen, auch bezeichnet als
Emissionsmarkt
Der Sekundärmarkt, auch als Zirkulationsmarkt bezeichnet, umfasst den
Wertpapierhandel zwischen den Marktteilnehmern, also den Wiederverkauf der neu
emittierten Wertpapiere durch den Ersterwerber an die neuen Anleger. Der
bekannteste Ort des Sekundärmarktes sind die Wertpapierbörsen.
Der Organisationsgrad unterscheidet in organisierte und in nicht organisierte Märkte.
Organisierte Märkte sind primär die Wertpapierbörsen, untergliedern sich unter
anderem in die Aktien- und Rentenmärkte, Emissionsmärkte und Märkte für
Schuldscheindarlehen, nicht organisierte Märkte sind der freie Kapitalmarkt und der
Interbankenhandel bis hin zum sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“
(Quelle Wikipedia).
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Die Börse als Nervensystem und Motor des kapitalistischen Wirtschaftssystems
Waren- und Terminbörsen als Basis für die Verteilung der Waren und eine faire,
transparente Preisbildung
Aktienbörsen als eigentlicher Motor. Ihre Grundlage ist die Aktiengesellschaft und die
Börsenspekulation ihr Treibstoff. Ohne Spekulationen wären die großen revolutionären
Industrien (Eisenbahn, Automobil, Öl, Elektrizität, Computer und jetzt das Internet) nie
zustande gekommen.
zwei Möglichkeiten für Unternehmen, sich die Mittel für Forschung, Expansion und
Investitionen zu beschaffen. Durch verschulden, entweder bei einer Bank oder indem
Anleihen emittiert werden oder Verkauf von Aktien als Anteile am Unternehmen
Weil die großen Entwicklungen der Wirtschaftsgeschichte am Anfang immer
risikoreiche Abenteuer waren und sind, wären sie durch Kredite niemals so schnell
vorangekommen. Die Banken hätten niemals so große Mittel zur Verfügung gestellt wie
die Aktionäre in der Hoffnung auf schnellen Reichtum
Quelle: Andre Kostolany Die Kunst über Geld nachzudenken von 1999 (S.77 ff.)
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Algorithmisches Handeln: Der Rechner wird mit komplizierten Programmen gefüttert,
die ihn ausrechnen lassen, wann er kaufen oder verkaufen soll. Ein Aktienhandel per
Autopilot, der Kosten senken und menschliche Fehler ausschließen soll.
Nur über den Computerhandel möglich sind heute noch Arbitrage-Strategien. Dabei
scannt der Computer verschiedene Börsen, Kursanbieter und Handelsplattformen, wo
er von Preisunterschieden zwischen einzelnen Handelsplätzen profitieren kann.
Hedgefonds entwickeln komplexe Anlagestrategien, für die sie ihre Computer mit
großen Mengen historischer Daten füttern. Die Maschinen werten diese aus, bilden
Zusammenhänge, entwerfen Szenarien und handeln selbständig.
Zunehmende Volatilität: Im Zusammenspiel vieler solcher Programme und Strategien
sacken Kurse binnen Minuten ab oder schnellen nach oben. Abrupte
Richtungswechsel, Kettenreaktionen werden wahrscheinlicher, ganze Märkte können
in Minutenschnelle einbrechen.
Quelle: Handelsblatt 19.11.2011
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Umfang des Algo-Trading bestimmt inzwischen 70 Prozent des Aktienhandels in den
USA, in Deutschland werden ca. 40 Prozent geschätzt.
Widerspruch zwischen den Ansätzen der Fundamentalanalyse (Analysten,
Fondsmanager) und Algo-Trading nimmt zu
Computer haben aber auch die Transparenz des Marktes deutlich erhöht. Investoren
wissen sofort, was los ist, und der Markt reagiert sehr schnell.
Weiterer Trend ist das so genannte Hedging, die Absicherung von Börsengeschäften
Überblick wird beeinträchtigt durch die vielen Handelsplätze, am bekanntesten ist der
Xetra-Handel der Deutschen Börse, aber auch
Alternative Handelsplattformen: Große Banken betreiben eigene „Inhouse Börsen“,
Over-The-Counter-Geschäfte (OTC) und es gibt die kaum regulierten „Dark Pools“, über
die der Handel praktisch anonym läuft.
Quelle: Handelsblatt 19.11.2011
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Daytrading als kurzfristiger, spekulativen Handel mit Wertpapieren. Hierbei werden
Positionen innerhalb des gleichen Handelstages eröffnet und wieder geschlossen, mit
dem Ziel bereits von geringen Kursschwankungen zu profitieren.
Produkte sind Aktien, Devisen, Futures, Minifutures, Optionen, CFDs bzw. Derivate
hierauf.
Kritik: Die Spekulation auf zufällige Kursschwankungen im Rahmen des Daytrading
würde gemäß der Random-Walk-Hypothese nach Transaktionskosten im Durchschnitt
Verluste produzieren. Daytrader glauben daher nicht an diese Theorie sondern
versuchen mit Hilfe von Intuition oder Technischer Analyse „den Markt zu schlagen“
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Quelle: Wikipedia
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besonderes Wachstumssegement der Banken, Discountbroker und vergleichbarer
Brokerhäuser trotz Finanzmarktkrise und volatiler Börsen
kostenlose Seminare zu Themen wie technische Analyse, „intelligente
Handelstrategien mit Komfort-Orders“ sowie das Risiko-Money-Management, bei dem
die Trader lernen sollen, wie sie ihr Geld einsetzen, portionieren und diversifizieren.
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Euphorie und Panik kann Börsenkurse in turbulenten Zeiten stärker beeinflussen als
jede nüchterne Analyse. „Unvernünftigen Überschwang“ in beide Richtungen nannte
der amerikanische Ökonom und Krisen-Prophet Robert Shiller dieses Phänomen.
Märkte als mächtiger Spieler mit unberechenbaren Verhalten.
„Finanzmärkte zeigen ähnliche Verhaltensweisen wie ein Mensch, dem erlaubt wird,
anonym zu handeln“, behauptet Rüdiger von Nitzsch, Wirtschaftsprofessor in Aachen
und Mitautor eines Buches über „Behavioural Finance“ (dt. verhaltensorientierte
Finanzierungstheorie). So zeigten Studien, dass sich Menschen zwar rücksichtsvoll und
fair verhielten, wenn ihr Verhalten beobachtet werde. Fairness und Verantwortlichkeit
ließen aber schnell nach, wenn das Verhalten nicht beobachtet werde.
Die Finanzmärkte sind extrem anonym und deshalb kämen entsprechende
Eigenschaften klar zum Vorschein, meint Nitzsch: „Rücksichtslosigkeit und das Fehlen
eines Bewusstseins für eine gesellschaftliche Verantwortung oder Fairness.“ Zugleich
seien die Märkte aber auch „unglaublich schlau“: „Die Wahrheit kann man vor ihnen
nicht lange verstecken.“
Quelle: FAZ 07.11.11
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"Occupy Wall Street„: in der Bewegung OWS hingegen sammeln sich vor allem jene, die
aufgebracht über Willkür und Macht der Finanzmärkte und Finanzindustrie sind, häufig
aus dem eigenen Erleben heraus.
Viele haben viel verloren in den Jahren der Krise: Job, Haus, Vermögen - und Zukunft.
Spekulanten investieren in Rohstoffe, Ackerland und Immobilien und treiben damit
Lebensmittelpreise und Mieten in die Höhe.
Die Demonstranten … wissen, dass ihr Gerechtigkeitsempfinden gestört ist. Sie
wissen, wogegen sie sind, aber nicht, wofür. Das entwertet OWS aber nicht per se.
Die Regierungen finden derzeit nur einen Weg, um mit der Krise umzugehen, und der
heißt Geld. Mittlerweile ist so viel Geld in Rettungstöpfe geflossen, dass viele Länder
klamm sind und auf Jahre hinaus anämisch bleiben werden.
Das nur vage Gefühl von Chaos und Verwundbarkeit am Anfang der Krise ist vielfach
Not gewichen. Diejenigen, die jetzt auf die Straße gehen, wollen am Ende nicht Abfall
einer Krise sein, der irgendwann in einer Bad Bank der Gesellschaft entsorgt wird.
Quelle: Süddeutsche 17.10.11
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Eine Bank ist ein Kreditinstitut, das entgeltliche Dienstleistungen für den Zahlungs-,
Kredit- und Kapitalverkehr anbietet. Je nach Typus beschäftigt sich eine Bank mit der
Kreditvergabe, der Verwaltung von Spareinlagen, dem Handel und mit der Verwahrung
von Wertpapieren oder – im Falle einer Universalbank – mit allem zusammen.
Wirtschaftliche Funktionen: Dienstleistungen, Kreditvergabe, Monetäre Funktion
(ganzer Zahlungsverkehr), Übertragung geldpolitischer Impulse (Zinssatz),
Investitionsfunktion (Wertpapiere)
volkswirtschaftliche Funktionen: Losgrößentransformation als Ausgleich zwischen dem
Angebot vieler relativ kleiner Einlagen und der Nachfrage nach großen Krediten sowie
Vermittlung von Spar- und Kreditbedürfnissen mit unterschiedlichem Zeithorizont,
Fristentransformation : ein bestimmter Prozentsatz kurzfristiger Einlagen kann auch
langfristig ausgeliehen werden, Risikotransformation : Der Einleger vertraut auf die
Sorgfalt und die Sachkenntnis des Kreditinstituts bei der Kreditvergabe, auch in Bezug
auf die Risikostreuung. Vermittlung von Spar- und Kreditbedürfnissen mit
unterschiedlicher Risikobereitschaft.
(Quelle: Wikipedia)
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Das Problem des Too-big-to-fail. "Idealerweise sollten Großbanken in kleinere Einheiten
gestückelt werden„ Simon Johnson, ehemaliger IWF-Chefökonom
Paul Volcker (ehemaliger US-Notenbankchef). Als Berater von US-Präsident Obama
empfahl er, Banken den riskanten Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung zu
verbieten und Geschäfts- und Investmentbanking zu trennen.
Es brauche eine wirklich unabhängige und kritische Aufsicht zur Überwachung. Jagdish
Bhagwati (Professor für Politik und Wirtschaft an der Columbia University)
Thomas Straubhaar (Chef des Forschungsinstituts HWWI). Der Ökonom fordert eine
globale Regulierung, um die Marktmacht zu großer Banken zu brechen.
Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts, sieht in der Erhöhung von Eigenkapitalpuffern
die Schlüsselstrategie für eine Gesundung der Branche. Zudem fordert Sinn eine
Vereinfachung des Systems der Risikogewichtung.
Dani Rodrik, Ökonom an der Harvard University: Finanzmärkte neigten zu
Übertreibungen und Volatilität, so Rodrik. So fordert der Professor mehr Mut zur
Regulierung - zum Beispiel in Form von Kapitalverkehrskontrollen.
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Die Banken müssen heute ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital unterlegen als früher.
Zudem kontrollieren die Aufsichtsbehörden die Kreditinstitute strenger und stimmen
sich international ab. Und in vielen Ländern – auch in Deutschland – gibt es überdies
neuerdings Gesetze, mit denen Pleitebanken einfacher abgewickelt werden können.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
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Die EU will die Macht der Rating-Agenturen drastisch beschneiden. Wahrscheinlich ab
2012 ist ein zeitweiliges Verbot von Länder-Ratings vorgesehen.
künftig soll eine Höchststrafe von mindestens fünf Millionen Euro gelten, wenn Händler
Kurse verfälschen oder illegal Geschäfte mit Insider-Informationen machen.
Brüssel will den schnellen Computerhandel bei gefährlichen Kursschwankungen
stoppen lassen.
Zum
Schutz
der
Verbraucher
sollen
unabhängige
Bankberater
und
Vermögensverwalter von Produktanbietern keine Provisionen mehr für die Vermittlung
kassieren dürfen, damit sie allein zum Wohl des Kunden handeln. Die
Wertpapieraufsicht soll das Recht erhalten, bestimmte Produkte oder Praktiken zu
untersagen, wenn der Anlegerschutz oder die Stabilität der Märkte bedroht ist.
Quelle: Spiegel.de 20.10.11
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Bisheriges Paradigma: der Sparer kann sein Geld entweder aufs Bankkonto legen oder
er entscheidet sich bewusst für eine höhere Rendite am Aktienmarkt. Langfristig
stiegen auch die Kurse solider Aktien immer. Der defensive und der offensive Anleger
hatten eines gemeinsam: Sparen war intelligentes, rationales Handeln, eine Tugend.
Beide Anlegertypen konnten sich auf ein Axiom verlassen: In beiden Fällen wurde der
Verzicht auf spontanen Konsum mit langfristiger Vermögensmehrung belohnt.
Leitmotiv des modernen Wohlfahrtsstaates, seine Bürger zu einem Vermögensaufbau,
zu einer privaten Daseinsvorsorge (Riester und Rürup) zu ermutigen. Doch dieser Teil
des Gesellschaftsvertrags wurde inzwischen still und leise aufgekündigt.
Sparer zahlen bereits heute die Zeche für die weltumspannende Schuldenkrise.
Inhaber von Tagesgeld-Konten, Sparbüchern, Fonds- und Aktien-Anleger und vielleicht
bald auch Halter von Lebenspolicen lernen, dass die Zinsen über lange Zeit niedriger
stehen als die Teuerung: negative Realrenditen werden zur Norm.
Anleger lernen eine harte Lektion: Man kann „vorsorgen“ und trotzdem ärmer werden.
Entweder Vermögensverlust durch Inflation bei Geldanlagen oder durch hohe Volatilität
bei Sachanlagen
Quelle: Die Welt vom 14. November 2011
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jeder Anleger hat heute die Wahl zwischen unliebsamen Extremen: Entweder er
möchte sein Geld „absolut“ sicher wissen, dann kommen fast nur noch niedrig
verzinste Bankkonten oder Staatsanleihen infrage. Die verringert dann das Vermögen
real durch den Verlust an Kaufkraft.
Oder das Geld wird in Sachwerte wie Aktien, Fonds, Gold oder Immobilien investiert. In
dem Fall schwanken die Kurse und zum Zeitpunkt der notwendigen Liquidation besteht
die Gefahr von Verlusten gegenüber dem Einstand oder „Buchwert“.
Das betrifft zunehmend auch die Lebensversicherungen: Sie müssen ebenso wie die
Privaten einen Kaufkraftverlust des Geldes hinnehmen, zumindest bei Teilen ihrer
Investments. Der einzige Vorteil der Lebensversicherungen ist, dass sie diesen Effekt
über die Jahre strecken können.
Der Zustand der „negativen Realrenditen“ wird noch für ein vorübergehendes
Phänomen erklärt. Doch in Wahrheit deutet vieles darauf hin, dass es noch Jahre
anhalten wird. Niedrige Zinsen sind für hoch verschuldete Staaten überlebenswichtig,
und die Notenbanken sind dazu übergegangen, hohe Inflationsraten zu akzeptieren.
Quelle: Die Welt vom 14. November 2011
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Beispiel Realrendite und Vergleich Geld- und Sachanlagen
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Anteile Anleihen, Aktien und Fonds am Primärmarkt
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Aktuelle Renditen am Anleihenmarkt (Stand 15.11.11)
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Vertrauenskrise am Anleihemarkt
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Kritik der Banken
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Vol. /
Stück
Div / Zins
satz
Div / Zi
vSt
AGS
25%
Soli
5,5%
Div / Zi
nSt
Inflation
Inflation
Realeffekt
RealRendite
Zinszahlung (Geldvermögen)
Geld-Anlagevermögen 100.000,00 100.000,00
100.000,00
100.000,00
1,5% 1.500,00
2,0% 2.000,00
3,0% 3.000,00
-375,00
-500,00
-750,00
-20,63 1.104,38
-27,50 1.472,50
-41,25 2.208,75
-3,0% -3.000,00 -1.895,63
-3,0% -3.000,00 -1.527,50
-3,0% -3.000,00
-791,25
-1,90%
-1,53%
-0,79%
Dividendenausschüttung (Sachvermögen)
Sach-Anlagevermögen 100.000,00
(Anlage 1000 Stück zu Einstand 100,00
mit verschiedenen real. Div.renditen)
2,00 2.000,00
4,00 4.000,00
6,00 6.000,00
-500,00
-1.000,00
-1.500,00
-27,50 1.472,50
-55,00 2.945,00
-82,50 4.417,50
0,00
0,00
0,00
1,47%
2,95%
4,42%
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1.000,00
1.000,00
1.000,00
1.472,50
2.945,00
4.417,50
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Deutsche Bundesbank - Kapitalmarktstatistik 2011 (Vergleich Brutto-Absatz von Aktien, Bonds und Fonds in Mio. EUR)
2010
Festverzinliche Wertpapiere
Aktien (Kurswert Neuemissionen)
Investmentfonds (Kurswert Mittelaufkommen)
2008
2007
1.375.138
92,9%
1.533.616
95,8%
1.337.337
98,6%
1.021.533
97,8%
20.049
1,4%
23.962
1,5%
11.326
0,8%
10.053
1,0%
84.906
5,7%
43.747
2,7%
7.911
0,6%
13.435
1,3%
1.480.093
04.11.2011 12:39
2009
100,0%
1.601.325
100,0%
1.356.574
100,0%
1.045.021
100,0%
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Aktuelle Renditen am Anleihenmarkt
Deutschland Niederlande
Rendite in %
Risikoaufschlag Basispunkte
Finnland
Österreich
Frankreich
Belgien
Spanien
Italien
Portugal
Griechenland
1,78%
2,40%
2,47%
3,56%
3,66%
4,85%
6,27%
7,05%
10,56%
23,40%
0
64
73
185
190
313
455
528
951
2.667
stabiler Kern
gefährdete Zone
Todeszone
Quelle: Bloomberg, Stand: 15.11.11, Anmerkung: 100 Basispunkte entsprechen einem Prozent Aufschlag
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Als Geigerzähler der Kernschmelze fungieren die Risikoaufschläge, mit denen Investoren messen, wie viel Mehrzins ein Staat bei
am Markt befindlichen Anleihen rechnerisch im Vergleich zu Deutschland zahlen muss. Die Bundesrepublik ist das wirtschaftlich
und finanziell stärkste Land auf dem Kontinent, ihre Anleihen dienen für alle anderen daher als Messlatte (Benchmark). Die auch
Spreads genannten Risikoaufschläge sind nun für fast alle Nationen der 17 Länder umfassenden Währungsunion auf einen EuroÄra-Rekord geschnellt.
Beispiel Frankreich: Die zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents zahlte noch vor wenigen Jahren kaum einen Aufschlag auf
Bundesanleihen. Am Dienstag sprang der Spread auf rund 190 Basispunkte (1,90 Prozentpunkte). Das bedeutet, dass der
französische Finanzminister für eine Emission von zehn Mrd. Euro Jahr für Jahr 190 Mio. Euro mehr zahlen müsste als sein
deutscher Kollege. Da Frankreich mit knapp 1,8 Billionen Euro verschuldet ist, würde sich ein solcher Aufschlag im Laufe der Jahre
auf einen besorgniserregenden Betrag summieren. Wie Griechenland gezeigt hat, können ab einem bestimmten Niveau die
Ausgaben gar nicht mehr so schnell gesenkt werden, wie die Schulden durch Zins und Zinseszins wachsen.
Beunruhigend ist der Absturz der österreichischen Schuldtitel an den Kapitalmärkten. Die Spreads erreichten am Dienstag mit
190 Basispunkten einen Rekordstand. Bis vor kurzem galt die relativ niedrig verschuldete Alpen-Republik noch als einer der
Stützpfeiler der Euro-Zone. Selbst die zur Nothilfe aufgelegte Europäische Finanzmarktstabilisierungsfazilität (EFSF) bekam die
Hitze zu spüren. Die beiden letzten zehnjährigen Anleihen, die der sogenannte Rettungsfonds aufgelegt hat, notieren bereits tief
im Minus. Der Risikoaufschlag zu Bundesanleihen liegt jetzt bei rund 200 Basispunkten. Eigentlich müsste die Rendite des EFSF
viel niedriger liegen, nämlich auf Höhe des Durchschnitts der Renditen der finanziell stärksten Teilnehmer-Länder mit AAA-Rating.
An den Kapitalmärkten werden die Rufe nach einem Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) immer lauter. Im Gegensatz
zu dem Euro-Hilfsfonds EFSF verfügt die Notenbank über unbegrenzte „Feuerkraft“, da sie mit neu gedrucktem Geld Papiere am
Markt kaufen kann. Skeptiker verweisen indes darauf, dass die EZB kein Mandat hat, sich in die Politik einzumischen. Außerdem
hat die Staatsfinanzierung über die Notenpresse in der Vergangenheit zu hoher Inflation – dem deutschen Trauma – geführt. „Für
die Europäische Zentralbank ist der Moment der Wahrheit gekommen“, sagt Harvard-Historiker Niall Ferguson, der sich auf
Finanzgeschichte spezialisiert hat. EZB-Präsident Draghi müsse sich bald entscheiden: Entweder er werfe bald die Notenpresse
an, um Anleihen zu kaufen, oder er werde der letzte Chef der Europäischen Zentralbank sein.
Quelle: Die Welt vom 16. November 2011
04.11.2011 12:39
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Banken spielen in jeder Volkswirtschaft eine zentrale Rolle. Sie versorgen Unternehmen, Haushalte und den Staat mit Geld. Sie
tun das, indem sie über Kredite neues Geld in Umlauf bringen – und indem sie mit ihren Handelsabteilungen Geld hin und her
verschieben. Idealerweise landet das Geld dann dort, wo es am meisten Nutzen stiftet. Wenn das so stimmt, kann man sagen: Je
mehr Geld die Banken unter die Leute bringen können und je öfter sie dieses Geld hin und her schieben, desto mehr Wachstum
und Wohlstand entstehen. Für diese These gibt es sogar wissenschaftliche Belege. Studien zeigen, dass Entwicklungsländer einen
Wachstumsschub erhalten, wenn sie über einen gut ausgebauten Finanzsektor verfügen.
Die Deregulierung der Bankenbranche seit den siebziger Jahren war also nicht nur das Ergebnis geschickter Lobbyarbeit. In vielen
Fällen entsprach sie schlicht der Überzeugung der handelnden Politiker und der gängigen Lehre der Wissenschaft. Es ist vielleicht
kein Zufall, dass es – mit Bill Clinton in den USA, Tony Blair in Großbritannien und Gerhard Schröder in Deutschland –
sozialdemokratische Regierungen waren, die in den neunziger Jahren den Banken noch einmal erhebliche zusätzliche Freiheiten
gaben. Sie hofften, das versprochene höhere Wachstum möge am Ende allen zugutekommen.
Zudem haben vom Umverteilen des Geldes vor allem die Umverteiler selbst profitiert – die Händler in den Banken also. Sie
verdienen an jeder Transaktion, die sie ausführen. Und sie konnten für ihre Dienstleistungen von ihren Kunden saftige Gebühren
verlangen und sich als Resultat Millionengehälter auszahlen, die früher unvorstellbar waren. Quelle: Die Zeit 21.10.11
Heute weiß man auch: Wenn der Finanzsektor zu mächtig wird, dann wird es gefährlich. … Die globale Finanzkrise, die 2007 als
Immobilienkrise auf dem Subprime-Markt in den USA begann, hat fast überall auf der Welt zu einem deutlich abgeschwächten
Wirtschaftswachstum oder zur Rezession geführt. Die Finanzkrise wurde dadurch ausgelöst, dass die jahrelang steigenden
Immobilienpreise in den USA, die sich zu einer Immobilienblase entwickelt hatten, stagnierten und gebietsweise fielen. Bei
steigenden Kreditzinsen und fallenden Wiederverkaufswerten konnten viele Kreditnehmer ihre Kreditschuld nicht begleichen.
Zuvor waren die Kreditrisiken in Wertpapieren gebündelt (Verbriefung) und weltweit gehandelt worden. Die Spekulation mit
Kreditderivaten hatte die Investitionsrisiken zusätzlich potenziert. Die verbrieften Immobilienkredite waren zunächst von RatingAgenturen als "mit geringem Risiko behaftet" bewertet worden – im Verlauf der Immobilienkrise wurden die Papiere jedoch
zunehmend schlechter bewertet. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
04.11.2011 12:39
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